Herzlich Willkommen!

Mi, 05/08/2013 - 15:28 -- editor_braungart

 

28.04.2020: Offener Brief: Ein Herz für das Ruhrgebiet!

Liebe Freundinnen und Freunde des Aufrufs „Ein Herz für Italien: Spendenaufruf für das leidende Nachbarland“ (in voller Länge erschienen am 15. April 2020 in der Süddeutschen Zeitung, auf S. 13),

ich kenne Euch zum überwiegenden Teil persönlich und schätze Eure wunderbaren Beiträge und Anstrengungen für eine bessere Welt und den Zusammenhalt Europas, aber - mit Verlaub - hier liegt Ihr falsch!

Ich will Euch nicht unterstellen, dass Ihr primär Angst um Eure Häuser in Italien habt. Denn wenn die Rechtsradikalen erst an die Regierung kommen, dann könnten ja Eure dortigen Häuschen, Villen oder Bauernhöfe enteignet werden. Doch das wäre eine zu vereinfachende Unterstellung. Aber in gewisser Weise seid Ihr zu Geiseln geworden - eine Einstellung, die zwar aufgrund Eurer ausgesprochenen Vorliebe für italienische Kunst, Kultur und kulinarische Genüsse verständlich ist, die aber in der Sache absolut nicht berechtigt ist.

Italien ist kein armes Land!

Ein einfacher Blick auf die tatsächlichen Besitzverhältnisse in Europa müsste Euch dies doch deutlich machen. Es gibt kein Land in der Europäischen Union mit weniger Wohneigentum als Deutschland.

 

Abbildung 1: Wohneigentumsquoten in Prozent in ausgewählten Ländern der Europäischen Union 2018 (Quelle: Statista 2020, eigene Darstellung)

Deutschland ist hier Schlusslicht. Kaum ein Land hat einen vergleichbar geringen Anteil an Altersabsicherung durch Eigenheime, Immobilien oder Aktien als Geldanlagen. Die Wohneigentumsquote der Deutschen liegt inzwischen bei nur rund 50 Prozent. Im Vergleich zu Italien, Frankreich oder Spanien ist dies ein absurd geringer Wert. Auch das deutsche Renteneintrittsalter liegt weit über dem von Italien, Frankreich und Spanien. Das Rentenniveau ist bei uns zusätzlich noch drastisch geringer. Nicht ein einziges DAX-Unternehmen befindet sich mehrheitlich in deutscher Hand. In Stuttgart sind bspw. ca. 75 Prozent des Immobilienbesitzes ausländisches Eigentum.

Kommt man zum Privateigentum, stellt man fest, dass eine italienische oder spanische Person, bezogen auf das Median-Vermögen, dem Durchschnittswert der tatsächlichen Besitztümer, weitaus wohlhabender als eine Person in Deutschland ist. Dies liegt sicherlich zum einen daran, dass gerade in Ostdeutschland wenig Eigentum aufgebaut werden konnte und dass durch die Kriegszerstörung viel Wohnraum zur Miete entstanden ist. Hinzu kommt, dass sich viele Kommunen aufgrund von Sozialleistungen so weit bis an die Halskrause verschuldet haben, dass sie ihre Wohnungsbaugesellschaften an internationale Spekulanten und Pseudo-Investoren abgegeben haben - mit drastischen Auswirkungen auf die Mietpreise.

Abbildung 2: Median-Vermögen in US-Dollar pro Erwachsenem in ausgewählten Ländern der Europäischen Union 2019 (Quelle: Credit Suisse – Global wealth databook 2019, eigene Darstellung)

Zum anderen liegt es aber auch daran, dass es der Staat in Ländern wie Italien, Spanien oder Griechenland nicht schafft, sich das Eigentum der Bevölkerung in gleicher Weise anzueignen, wie dies in Deutschland durch Steuern, Abgaben und andere Finanzierungsmöglichkeiten der Fall ist. Das heißt, Deutschland ist eigentlich gar kein reiches Land. Tatsächlich befinden sich die deutschen Bürgerinnen und Bürger, was ihren privaten Wohlstand angeht, im letzten Drittel des europäischen Durchschnitts. Und jetzt soll das staatliche Geld, welches in Italien und Spanien nicht erhoben wird, durch Menschen aus Zwei-Zimmer-Plattenbauwohnungen über deutsche Mehrwertsteuern und andere Abgaben erwirtschaftet werden?

Abbildung 3: Pro-Kopf-Geldvermögen in Euro in ausgewählten Ländern der Europäischen Union 2018 (Quelle: Statista 2020, eigene Darstellung)

Ich kann verstehen, dass aufgrund der totalitären Vergangenheit ein latent schlechtes Gewissen besteht. Und in der Tat gibt es eine besondere Verantwortung aus der Geschichte für die Menschen in Deutschland. Allerdings nicht unbedingt in besonderer Weise gegenüber Italien (eher zum Beispiel gegenüber Polen!). Man sollte nicht vergessen, dass der Faschismus in Italien entstanden ist. Italien hat den Faschismus, ähnlich wie auch Spanien, erst hoffähig gemacht.

Es gibt also keinen Grund ein besonderes Herz für Italien zu haben - ein Land, welches die Gewinne privatisiert und das Risiko gnadenlos der Allgemeinheit aufhalst. Dies ist geradezu zynisch. In dieser Weise entsteht ein Gefühl von Schutzgeld-Erpressung, welche der italienische Ministerpräsident in seinem Interview in der Süddeutschen Zeitung, ausgerechnet am 20. April, noch einmal ausgeführt hat (Online-Vorabauszüge: hier).

Wie wäre es mit einem Herz für das Ruhrgebiet? Eine Region, die den Aufbau ganz Mitteleuropas getragen hat und die ein Beispiel für gelungene Integration von Menschen aus vielen Ländern ist – gerade aus Italien. Wenn man sieht, in welch schäbigem Zustand sich dort die derzeitige Infrastruktur befindet, dann wäre es doch zwischen zwei Flaschen Chianti Classico möglich, ein wenig Geld für die Menschen im Ruhrgebiet zu spenden. Wenn nur ein jeder von Euch 10 Prozent seines Immobilienbesitzes abgeben würde, könnten bereits ganze Städte im Ruhrgebiet saniert werden. Also, wie wär‘s mit einem Herz für das Ruhrgebiet?!?

Damit kein Missverständnis entsteht: Ich begrüße und unterstütze die europäische Solidarität mit gemeinschaftlichen Investitionen und Ausgaben, besonders im Gesundheitssystem. Um aber fair zu sein, ist der private italienische Wohlstand adäquat zu berücksichtigen. Ich schlage daher eine europäische Solidaritätsanleihe auf alle privaten Vermögen vor. So kann das weitaus größere Privateigentum der Italiener angemessen miteinbezogen werden, um damit endlich Die Vereinigten Staaten von Europa in föderaler Struktur aufbauen zu können.

Herzliche Grüße

Euer
Michael Braungart

 

Spenden für das Ruhrgebiet an das Hamburger Umweltinstitut:
Stichwort: Spende Ein Herz für das Ruhrgebiet
Hamburger Umweltinstitut e.V.
IBAN: DE84 20050550 1322 122100
Hamburger Sparkasse
 

 V. i. S. d. P.: Prof. Dr. Michael Braungart, Trostbrücke 4, 20457 Hamburg.




 

14.09.2019 Die Goldene Blume für Chemiker Professor Doktor Michael Braungart

Der älteste deutsche Umweltschutzpreis, die Goldene Blume von Rheydt, geht in diesem Jahr an den deutschen Chemiker Professor Doktor Michael Braungart. Er erhält die hohe Auszeichnung für seinen Einsatz im Bereich der Ökologie und Nachhaltigkeit, besonders seine Forschung und Leistung im Rahmen des "Cradle-to-Cradle"-Prinzips. Dabei geht es darum, alle Materialien  als Nährstoffe in geschlossenen Kreisläufen zu halten. Möglich ist das bei ökoeffektiven Dingen und Prozessen. Den Begriff der Ökoeffektivität hat Braungart zusammen mit dem US-amerikanischen Architekten William McDonough geprägt. Dabei handelt es sich darum, dass Abfall zu Nährstoff wird  und wieder in einen Kreislauf einfließt. So können auf der einen Seite bspw. Metalle und Kunststoffe so gestaltet werden, dass sie in die Technosphäre zurückgeführt werden und auf der anderen Seite werden Verschleißgegenstände wie Bremsbeläge, Reifen, Schuhsohlen usw. zu Nährstoffen für die Biosphäre.

Ein solches Kreislaufprinzip soll dabei zum Umdenken anregen. Ein Beispiel: Es geht nicht nur darum, den Benzinverbrauch von Autos zu senken, wie es beim reinen Denken anhand einer Ökobilanz der Fall wäre, sondern Emissionen beim Verbrauch wieder für andere Dinge einsetzen zu können. Sie zum Beispiel so nutzen zu können, dass wieder Brennstoff daraus entsteht. Produkte und Produktionsprozesse sollen so konzipiert sein, dass sie nicht nur weniger schädlich, sondern vielmehr nützlich für Mensch und Natur sind. Das Prinzip Abfall würde es in dem Sinne gar nicht mehr geben, denn aus allem wird etwas Neues "geboren", deswegen das Prinzip "Cradle to  Cradle" also "Von der Wiege zur Wiege".

Nach dem Studium der Chemie und Verfahrenstechnik u.a. in Konstanz und an der TU Darmstadt promovierte Braungart 1985 am Fachbereich Chemie der Universität Hannover. Parallel wirkte er seit 1982 beim Aufbau des Bereichs Chemie von Greenpeace Deutschland mit, den er von 1985 bis 1988 leitete. 1987 gründete Braungart das EPEA-Institut. Mit dem US-amerikanischen Architekten und Designer William McDonough ist er ebenfalls Gründer der Design- und Entwicklungsfirma McDonough Braungart Design Chemistry (MBDC) in Charlottesville (Virginia). Braungart ist Professor für Cradle to Cradle-Design, Ökodesign und Ökoeffektivität an der Leuphana Universität Lüneburg. Von 2009 bis 2017 hatte er an der Erasmus Universität in Rotterdam den Lehrstuhl für Cradle to Cradle inne. Er hat außerdem eine Gastprofessur an der University of Virginia angenommen. Zudem ist er Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Hamburger Umweltinstituts (HUI). Seit 1994 referiert und publiziert Braungart zu den Themen Realisierung zukunftstauglicher "intelligenter Produkte", Entwicklung und Umsetzung von Umweltschutzkonzepten, umweltverträgliche Produktionsverfahren sowie zu Ökobilanzen komplexer Gebrauchsgüter.

Verliehen wurde ihm die Goldene Blume am 14. September 2019 um 17 Uhr im Rahmen eines Festaktes im Theater Mönchengladbach. Die Verleihung erfolgte durch Dr. Karl Hans Arnold, Vorsitzender des Direktoriums "Kuratorium für die Verleihung der Goldenen Blume von Rheydt e.V. Die Goldene Blume von Rheydt wurde bislang seit 1967 insgesamt 26 Mal verliehen, zuletzt 2017 an Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg (Insel Mainau).


 

23.10.2018 heute+ Interview mit Prof. Dr. Michael Braungart - "Die Politik muss handeln"

In der ZDF-Nachrichtensendung heute+ gab Prof. Dr. Michael Braungart am 23.10.2018 ein Interview zum Thema Mikroplastik. Autoreifen seien Hauptverursacher für das im menschlichen Darm entdeckte Mikroplastik, sagt Umweltexperte Michael Braungart. Problematisch sei vor allem die gesundheitsgefährdende Schadstoffbelastung.


 

Michael Braungart & William McDonough mit dem renommierten WorldGBC David Gottfried Award ausgezeichnet

Prof. Dr. Michael Braungart und William McDonough wurden mit dem renommierten WorldGBC David Gottfried Global Green Building Entrepreneurship Award für ihren einzigartigen, innovativen und unternehmerischen Beitrag zur globalen Green Building Bewegung ausgezeichnet.

Tai Lee Siang, Vorsitzender des WorldGBC, würdigte die beiden Preisträger in einer Sonderzeremonie in Jaipur, Indien. Der David Gottfried Award des WorldGBC zeichnet Personen aus, deren Beiträge und unternehmerische Tätigkeiten besonders wegweisend sind und maßgeblich dazu beitragen,  die Green Building Bewegung weiterzuentwickeln und voranzutreiben. Braungart und McDonough wurden bei der diesjährigen Preisverleihung für ihren einzigartigen Ansatz einer unternehmensorientierten Green Building Strategie ausgezeichnet. Besonderes Lob gab es für das in 2002 veröffentlichte Buch „Cradle to Cradle: Einfach intelligent produzieren“, welches eindringlich die Anwendung des Cradle to Cradle Konzeptes in Unternehmen befürwortet und somit die Verwendung von erneuerbaren Energien, die Wertschätzung von sauberem Wasser und die Entwicklung von Produkten fördert, die das Konzept des Abfalls beseitigen. Über die Green Building Bewegung sagte Dr. Braungart: „Wir brauchen eine Architektur, die den menschlichen Fußabdruck feiert, Gebäude in denen die Luft besser ist als draußen und die, wie Bäume, die Luft und das Wasser reinigen.“


 

Plusminus ARD: Giftige Drucker - Warum Dreckschleudern den Blauen Engel bekommen

Bei den von Laserdruckern freigesetzten Feinstäuben hält sich das Umweltministerium mit Warnungen zurück. In einem Online-Text über Gefahren durch Luftverschmutzung und Feinstaub warnte die Bundesregierung noch im letzten Jahr: "Laserdrucker setzen Feinstaub in ultrafeiner Partikelgröße frei - die besonders gefährlich ist." Doch vor einigen Monaten verschwand dieser Satz. Warum? Schuld sind Untersuchungen des Umweltbundesamtes, die offenbar von den Interessen der Industrie geleitet wurden.


 

 "Die Notwendigkeit für echte Innovation war noch nie so groß wie jetzt. Wir können qualitativ hochwertige und kreislauffähige Alternativen entwickeln, die für Mensch und Natur nützlich sind. Eine positive Zukunft ist möglich, warum sollten wir es anders machen?"

Michael Braungart

 


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